Kernaufgabe für eine lebenswerte Stadtgesellschaft
Wir sind besorgt über die wachsende Zahl junger Menschen, die in Nürnberg den Weg in die Mitte der Gesellschaft nicht finden.
Alarmiert sind wir durch die anhaltend steigende Zahl von Kindeswohlgefährdungen und Inobhutnahmen, durch den Stand der Sprachentwicklung im Einschulungsalter, durch das steigende Armutsrisiko von Familien mit Kindern, durch eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Belastungen und durch hohe Hürden gesellschaftliche Teilhabe und Selbständigkeit zu erreichen (bezahlbarer Wohnraum etc.).
Wirtschaftliche Instabilität, die Angst vor einem Krieg in Europa, die Klimakrise, eine wachsende soziale Ungleichheit und der demografische Wandel stellen junge Menschen vor große Herausforderungen.
Deshalb fordert die Diakonie:
Kinder und Jugendliche: mittendrin statt außen vor
Dort, wo Kinder und Jugendliche aufwachsen und leben, brauchen sie die Erfahrung, dazu zu gehören.
Eine partizipativ gestaltete kommunale Kinder- und Jugendhilfeplanung kann die Passgenauigkeit von Hilfe- und Unterstützungsbedarfen zu geeigneten Hilfeformen verbessern. Kinder- und Jugendhilfe ist daher auch jenseits der Hilfen zur Erziehung als Pflichtleistung für die soziale Daseinsfürsorge anzuerkennen und entsprechend auszustatten.
Strukturen von den Bedarfslagen her denken
Die inklusive Ausgestaltung von Hilfen für junge Menschen muss forciert werden. Nicht überkommene und undurchsichtige Strukturen, sondern die Bedarfslagen junger Menschen und ihrer Familien müssen Wegweiser für die Gestaltung von Zuständigkeiten und Hilfestrukturen sein. (Verfahrenslotsen sind noch kein Beitrag Systemgrenzen zu überwinden.) Schule und Gesundheitswesen müssen ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten.
Sprache und Medienkompetenz als Schlüssel für Teilhabe begreifen
Die flächendeckende Umsetzung von alters- und bedarfsgerechten Sprachförderangeboten ist in allen schulischen und erzieherischen Angebotsformen sicherzustellen – sie sind ein Schlüssel für die Teilhabe an Bildungskompetenz.
Die medienpädagogische Arbeit ist in allen Bildungs- und Erziehungsangeboten zu intensivieren, damit junge Menschen Demokratiekompetenz entwickeln und lernen, wie sie sich in ihr soziales Umfeld einbringen, ihre Interessen vertreten und Kompromissen bilden können.
Flüchtlingskinder nicht vergessen
Flüchtlingskinder haben ein Recht auf gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Ausbildung und Beruf. Dazu zählen - sofern kein Zugang zu Kitas gelingt - Kinderbetreuungsangebote in Sammelunterkünften und vor allem die Vermeidung langer Aufenthaltszeiten dort. Stattdessen fordern wir die sofortige kommunale Zuweisung von Wohnraum für Familien mit Kindern.
Frühe Bildung für jedes Kind in Nürnberg in gleicher Qualität ermöglichen
Krippen, Kindergärten und Horte sind Einrichtungen der frühen Bildung und Chancengerechtigkeit für Kinder. Sie gehören zur verpflichtenden öffentlichen Daseinsfürsorge der Kommune und sorgen - viel stärker als später die Schulen - dafür, dass die Chancenungleichheit unter Kindern aufgrund ihrer sozialer Herkunft nicht immer weiter wächst.
Trotzdem sind KiTas in Bayern strukturell unterfinanziert. Frei-gemeinnützige Einrichtungen in Nürnberg sind dabei sogar doppelt benachteiligt: Sie betreiben drei Mal so viele Kindertagesstätten als die Stadt Nürnberg, erhalten aber deutlich weniger kommunale Mittel als die städtischen Einrichtungen. Das ist ungerecht für Kinder und Familien, die diese Lücke durch hohe Gebühren kompensieren müssen oder im Zweifel sogar zuhause bleiben. Die Stadt Nürnberg muss deshalb alle KiTas in Nürnberg finanziell gleichstellen, um für jedes Kind - unabhängig von Träger und Wohnort - einfach bestmögliche Startbedingungen ins Leben zu schaffen.
