Wohnen selbstverständlich machen

Eine Mutter und ihr Kind leeren ihren Briefkasten an einer großen Briefkastenanlage.

Wohnpolitik als Daseinsfürsorge priorisieren

Wohnen ist ein grundlegendes Menschenrecht und zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe, Würde und individuelle Stabilität. Ein scharfer Wohnungswettbewerb in Nürnberg bedroht viele, insbesondere armutsbetroffene Gruppen wie Erwerbslose, Kinderreiche und Menschen mit kleinen Löhnen und Renten. Obendrein sehen sich Nürnberger*innen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte (50,1%!) laufend mit Diskriminierung, sprachlichen Hürden sowie rechtlicher Unsicherheit konfrontiert, was ihnen den Zugang zu einer vernünftigen, eigenen Wohnung massiv erschwert. Armut oder Herkunft dürfen aber nicht Ausschlusskriterien für das Recht auf menschenwürdiges Wohnen sein! 

Wer einmal von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht ist, gerät leicht in eine Spirale der sozialen Ausgrenzung, Krankheit und des Rückzugs. Wir fordern deshalb eine strategische Wohnraumpolitik der Stadt, die von den vulnerabelsten Gruppen im Wohnungsmarkt ausgeht und für sie vorsorgt. Die Kommune Nürnberg muss Wohnraum als bedingungslose Daseinsfürsorge für alle sichern. Als ein Vorbild kann z.B. die „Gmünder Wohnraumoffensive – Raumteiler“, Schwäbisch Gmünd dienen.

 

Sicherung bezahlbaren Wohnraums durch sozialen Wohnungsbau und wirksamen Mieterschutz.

Der zurückgehende Bestand sozialgebundener Wohnungen in etablierten Nachbarschaften Nürnbergs treibt einkommensarme Mieter*innen und Familien stadtweit immer weiter in die Enge und den sozialen Druck auf wenige, bezahlbare Wohnareale in die Höhe.

Deshalb müssen verbindliche Quoten sozial geförderten Wohnraums zu Gunsten benachteiligter Gruppen in allen Stadtquartieren ausgebaut werden. Auch kleinere Wohnungsneubauten (< 30 Einheiten) in bereits etablierten, älteren Nachbarschaften, sollten hier berücksichtigt werden.
Die Mietpreisbremse für unseren Ballungsraum muss über 2025 hinaus fortgeführt werden ebenso gilt es das Verbot zur Zweckentfremdung von Wohnraum in Nürnberg langfristig zu halten.

Die Diakonie bringt sich mit ihrer Expertise in der Wohnungslosenprävention ein – etwa bei der Entwicklung sozialraumorientierter Projekte, in der Mieter- und Schuldnerberatung oder in sozialbetreuten Wohnformen. Mit öffentlichen oder öffentlich geförderten Bau- und Immobiliengesellschaften kann sie gemeinwohlorientierte Kooperationen eingehen. Ein solches, mieterorientiertes Hilfenetz verhindert, dass noch mehr Menschen und ganze Viertel in Nürnberg abgehängt werden. Es muss als zentraler Bestandteil der kommunalen Wohnraumpolitik behandelt, erhalten und gefördert werden.

Wohnungslosigkeit durch frühzeitige Hilfen und kommunale Unterstützungsstrukturen verhindern.

Frühzeitige Hilfen bei Mietrückständen oder Energieschulden, Fachstellen zur Wohnraumsicherung und Housing-First-Modelle (obdachlose Menschen erhalten sofort und bedingungslos eine eigene Wohnung, bevor weitere soziale Hilfen erfolgen) sind zentrale und effektive Präventionsmaßnahmen, die eine Großstadt wie Nürnberg systematisch fördern und solidarisch in allen Stadtgebieten verteilen muss.

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt abbauen und Chancengleichheit fördern.

Obwohl sie die Mehrheit der Nürnberger Bevölkerung ausmachen, erleben Menschen mit internationalen Wurzeln täglich Ressentiments und Benachteiligung am Wohnungsmarkt. Sensibilisierungs- und Antidiskriminierungsstrategien, kommunale Beratung oder Mietausfallhilfen für Vermieter; Wohnvermittlungsdienste und Workshops etwa zusammen mit Migrantenorganisationen und Wohnungsloseneinrichtungen auf der anderen Seite wirken dieser Chancenungleichheit entgegen. Das ist ausbauwürdig!

Eine sozial orientierte Wohnraumpolitik durch laufendes Monitoring, transparente Steuerung und kommunale Zusammenarbeit ermöglichen.

Ein systematisches, sozialraumbezogenes Monitoring, regelmäßige Armutsberichte und multidisziplinäre Netzwerke mit gemeinnützigen Trägern ermöglichen erst eine koordinierte, datenbasierte Politik und helfen, die Bildung struktureller Brennpunkte früh zu erkennen sowie zielgerichtet zu entschärfen. Dieses (geteilte) Wissen muss die sozialräumliche Planung für die unterschiedlichen Stadtteile systematischer bestimmen.